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Dokumentation - Fachforum 4

Abspecken als medizinische Innovation – Wie bleibt das Gesundheitssystem finanzierbar?

Die gesetzlichen Krankenkassen erwarten für das laufende Jahr ein Defizit in ihren Budgets von mehreren Milliarden Euro. Dabei hatte die damalige Bundesregierung erst vor drei Jahren mit einer umfassenden Reform des Gesundheitswesen versucht, einer derartigen Unterfinanzierung entgegen zu wirken. Millionen der gesetzlich Versicherten zahlen bereits einen einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung. Und trotzdem reicht dies nicht aus, um das Milliardenloch zu schließen. In naher Zukunft wird der demographische Wandel das Finanzierungsproblem der Krankenkassen weiter verschärfen. Weltweit werden wir Deutschen für unser hervorragendes, flächendeckendes und gerechtes Gesundheitssystem beneidet. Damit dies so bleibt, gilt es dringend die Frage der zukünftigen Finanzierung unseres Gesundheitssystems zu klären.

Im Fachforum 4 der Denkfabrik Sachsen am 1. März 2010 diskutierten namhafte Experten zum Thema „Abspecken als medizinische Innovation – Wie bleibt das Gesundheitssystem finanzierbar?“. Die Podiumsdiskussion wurde geleitet von Frau Ramona Nagel aus dem Ressort Politik und Wirtschaft der Freien Presse Chemnitz.

Als eines der grundlegenden Probleme unserer Gesellschaft in Bezug auf das Gesundheitssystem identifiziert Herr Dr. med. Thomas Lipp, Facharzt für Allgemeinmedizin, ein falsch ausbalanciertes Verhältnis zwischen Eigenverantwortung, Solidarität und Subsidiarität. Seiner Meinung nach mangele es vielen Menschen am Bewusstsein, für die eigene Gesundheit in erster Linie selbst verantwortlich zu sein. Viel zu schnell erschallt stattdessen der Ruf nach der Solidarität der anderen. Dies kann Herr Dr. med. René Toussaint, Geschäftsführer und ärztlicher Leiter der MEDICA-Gesellschaft für ambulante Rehabilitation und Sportmedizin mbH, nur bestätigen: „Die Anspruchshaltungen der Patienten ist ungemein hoch.“ In diesem Zusammenhang weist Herr Dr. Heinz Riederer, Chief Medical Officer der Sanofi Aventis Deutschland GmbH, auch auf die hohe Erwartungshaltung der Patienten gegenüber den Pharmafirmen hin: „Die Medikamente sollen schnell helfen und dabei möglichst kostenlos sein.“

Nach Ansicht von Rudolf Henke MdB, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, müsse sich die Gesellschaft auf steigende Abgaben für das Gesundheitssystem, und damit letzten Endes für ihre Gesundheit, einstellen. Dabei bringe aber die Kopplung der Beiträge an den Lohn bzw. das Gehalt besondere Probleme mit sich, da das System auf steigende Arbeitslosenzahlen außerordentlich sensibel reagiere.

Grundsätzliche Zustimmung findet in der Runde das Mittel der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Dabei gilt es aber immer, die finanziellen Anreize zur Einführung einer betrieblichen Gesundheitsvorsorge auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen, so Herr Henke.

Der eingangs erwähnte Weg der verstärkten Eigenverantwortung eines jeden wird von allen vier Referenten grundlegend unterstützt. Uneinigkeit herrscht allerdings über die Umsetzung. Während Dr. Riederer für ein deutlich verbessertes Patientenmanagement plädiert, fordert Dr. Toussaint eine schnellere und effektivere flächendeckende Umsetzung etablierter Innovationen und die Schaffung von Anreizmechanismen. Herr Henke weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Entwicklung und der Ausbau der Primär- und Sekundärprävention Teil des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und FDP sei. Das Ziel aller dieser Maßnahmen dürfe es allerdings nicht sein, eine „Gesundheitspolizei“ einzuführen, so Dr. Lipp. Das System müsse auf Belohnung und nicht auf Bestrafung beruhen.

 

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