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Dokumentation - Fachforum 2

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Frühkindliche Bildung in Sachsen.

Für eine erfolgreiche Bildungsbiographie sind besonders die ersten Lebensjahre unserer Kinder entscheidend. Dabei gewinnen, neben der Unterstützung des natürlichen Forscherdrangs durch die Eltern, die Kindertagesstätten immer mehr an Bedeutung. Doch diese können sich nur durch eine gute Aus- und Weiterbildung der Erzieher von Betreuungs- zu Bildungsstätten wandeln. Es muss das Ziel sein, unsere Kinder schon heute für das zu begeistern, was morgen wichtig ist. So beklagt nicht nur die sächsische Wirtschaft einen Fachkräftemangel in vielen Bereichen. Gerade die Zusammenarbeit von Unternehmen und Kindertagesstätten ermöglicht es, die Fachkräfte von morgen schon heute für Technik und Naturwissenschaften zu interessieren. Erste Projekte aus diesem Bereich haben das bereits gezeigt. Es gibt aber noch viel ungenutztes Potential.

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Holger Brandes (Direktor des Instituts für Frühkindliche Bildung an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden), Elisabeth Opitz (Leiterin des Christlichen Kinderhauses in Dresden-Kleinzschachwitz), Dr. Janna Pahnke (Leiterin der Akademie der Stiftung „Haus der Kleinen Forscher“) und Prof. Dr. Roland Wöller (Sächsischer Staatsminister für Kultus und Sport) über die zukünftige Entwicklung der frühkindlichen Bildung in Sachsen. Dr. Ulrich Brümmer (MDR) übernahm die Moderation.

Heute werden in Sachsen ca. 95 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Kindertagesstätten betreut. Allen Eltern, die ihr Kind im Kindergartenalter betreuen lassen wollen, kann auch ein Platz angeboten werden. Der Fokus für Wissenschaft und Politik liegt in diesem Bereich deshalb derzeit nicht mehr bei der Schaffung von neuen Plätzen in Kindertagesstätten sondern hauptsächlich bei der Qualitätsentwicklung der Einrichtungen und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Im Gegensatz zum Kinderkrippenbereich (Altersstufe 0-3) mit einer hohen Betreuungsqualität, sollen die Kindertagesstätten vor allem eine hohe Bildungsqualität aufweisen. Staatsminister Professor Wöller: „Kindertagesstätten sind Pflichtaufgaben der Kommunen. Gemeinsam mit den Kommunen will der Freistaat Qualität fördern. Qualität steht an erster Stelle, kann aber niemals kostenlos sein.“ Herr Professor Brandes ergänzte, insbesondere in Hinblick auf die Ausbildung der Erzieher: „Kognitive Entwicklung der Kinder basiert auf kognitiver Eingebettetheit.“ Frau Dr. Pahnke nahm diesen Faden auf: „Unsere Erfahrung zeigt, dass Erzieher für Fortbildungen – auch in ungewöhnlichen Bereichen - offen sind. Sie müssen ihnen nur angeboten werden und sie müssen Zeit haben, teilzunehmen.“ Frau Opitz berichtete aus ihren Erfahrungen: „Unsere Kinder stellen immer mehr Fragen. Die Erzieher sind zunehmend gefragt, Antworten zu finden. Wir wollen neue Möglichkeiten finden, uns mit den Kindern gemeinsam Antworten auf schwere Fragen zu erarbeiten. Kinder und Erzieher sollen gemeinsam zu Entdeckern werden.“

Weiter diskutiert wurde auch der Nutzen eines Bildungsangebotes in Kindertagesstätten für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Professor Brandes: „Viele Erhebungen zeigen, dass es vor allem die Kinder aus bildungsferneren Schichten sind, die von Bildungsangeboten in den Kitas profitieren. Es kommt beim Schuleingang vor allem auf eine altersgemäße spielerische Entwicklung an. Unser Ziel in Sachsen muss es daher sein, künftig den Kindertagesstättenbereich noch stärker in das Schulsystem zu implementieren.“ Dem stimmte Staatsminister Professor Wöller zu: „Ich sehe zwei große Ziele, die wir erreichen wollen. Zum einen wollen wir ein staatliches Angebot in den Kitas mit hoher Qualität. Zum zweiten müssen wir es schaffen, dass dieses Angebot auch angenommen wird. Besonders müssen wir hier auch Mittel und Wege finden, die Eltern aus den sogenannten bildungsfernen Schichten ins Boot zu holen. Denn Eltern haben auf den Bildungserfolg ihrer Kinder erwiesenermaßen mehr Einfluss als alle Bildungseinrichtungen. Je später man mit eventuellen Reparaturmaßnahmen anfängt, desto teurer wird es letztendlich. Deshalb wollen wir in den kommenden Jahren den Bildungspläne für Grundschulen und Kindergärten noch stärker verzahnen und abstimmen.“

Thema war auch die Vielfalt von (Bildungs-)Angeboten, die Eltern und Kindern eigentlich von Geburt an offen stehen. Frau Dr. Pahnke: „Kinder haben ein Recht auf alle Bereiche. Dem Haus der kleinen Forscher ist die Förderung der Naturwissenschaftlichen Bildung sehr wichtig, aber andere Bereiche sind genauso wichtig. Man kann sie auch verknüpfen. Beispielsweise wird durch gemeinsames Experimentieren auch Sprache gefördert.“ Frau Opitz konnte hier ergänzen: „Ich habe den Eindruck, dass Eltern oft unter Druck stehen durch übermäßig viele Ratschläge und Angebote von außen, die alle richtig sein können. Mit zu vielen Angeboten können wir unsere Kinder aber auch schnell überfordern. Bildung ist ein großes Buffet. Es bedarf vor allem Zeit und Gründlichkeit um es zu genießen. Kinder brauchen Freiraum um Kreativität zu entwickeln. Es bedarf auch Mut und Kompetenz der Erzieher, Eltern richtige Ratschläge zu geben. Die Partnerschaft zwischen Eltern und Erziehern müssen wir fördern.“ Prof. Brandes: „Kinder sind kleine Generalisten. Kinder brauchen Zeit um zu entdecken und gelassene Erwachsene. Kinder müssen vor allem einen Selbstantrieb ausbilden, Neues zu entdecken. Dazu brauchen sie Freiraum.“

Wichtig sei es auch, so Professor Brandes, mehr junge Männer für den Erzieherberuf zu gewinnen: „Wir brauchen eine Aufwertung des Berufsbildes in der Öffentlichkeit. Der richtige Ansatz ist, den Beruf durch ein Studium aufzuwerten, aber es ist auch eine Frage des Gehalts.“ Staatsminister Professor Wöller: „Männliche Vorbilder sind sehr wichtig. Die Potentiale, die vor allem Jungs haben, sind noch öfter ungenutzt als bei Mädchen. Jungs müssen vor allem in Lesekompetenz noch zulegen. Ich habe deshalb eine herzliche Bitte: Lesen Sie Ihren Kindern und Enkeln viel vor!“

 

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